Tines Schreibstube
01.10.2020
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Es ist wie es ist....

Auch später schrieb ich, allerdings eher sporadisch, Gedichte für Freunde und Verwandte. Offenbar sprach sich das rum und immer häufiger passierte es, dass ich gefragt wurde, ob ich nicht mal eben...

Für mich bedeutet die Reimerei jedoch kein aneinander gereihtes "Blablabla" auf Knopfdruck, sondern ist inzwischen zu einer Art Entspannung und Hobby geworden.

Wichtig ist dabei, sich mit der Person, die das Gedicht erhalten soll, auseinanderzusetzen, sie gegebenenfalls zu karikieren oder auf aktuelle Ereignisse einzugehen. Je mehr Informationen ich über den betreffenden Menschen habe, desto besser. Niemals schreibe ich ein Gedicht zweimal oder klaue meine eigenen Wendungen, nur weil es gerade passt. Darin liegt mein persönlicher Anspruch, denn jeder soll ein wirkliches Unikat bekommen.

Wenn ich ehrlich sein soll, war ich ursprünglich ein regelrechter Feind des Computers und wollte mich gar nicht erst mit diesem Medium befassen. Ich fand das per Hand geschriebene Wort oder Lesen von Büchern wesentlich interessanter, mal ganz abgesehen von meinem von Hause aus technischen Unverständnis. Übrigens krakle ich die "Rohfassung" eines Gedichts noch immer auf einen Schmierzettel, da die besten Inspirationen oftmals unterwegs durch meinen Kopf schießen. Deshalb will und kann ich mir das gar nicht abgewöhnen, warum auch?

Doch die Zeit holte auch mich ein und zwangsläufig tauchte dann erstmalig die Idee auf, Gedichte für andere Leute, die ich vielleicht gar nicht kenne, zu schreiben.

Man fragt sich natürlich, wie das gehen soll, aber aus Erfahrung weiß ich, dass es besser funktioniert, als man glauben mag.

So erhielt ich neulich beispielsweise den Auftrag, für einen langjährigen Mitarbeiter unserer Klinik ein Abschiedsgedicht zu schreiben. Da ich relativ wenig über ihn, sein Privatleben, seine Interessen und beruflichen Werdegang wusste, sammelte ich kurzerhand bei verschiedenen Leuten aus seinem näheren Umfeld Informationen und schon konnte es losgehen. Er freute sich riesig und war völlig überrascht und gerührt über die Fülle und Bezogenheit dieser, ausschließlich seine Person betreffenden Zeilen.

Um auf den Computer zurückzukommen, schlug ein erster (und letzter) Versuch meinerseits, in einer Zeitung zu inserieren, völlig fehl. Wer schaut schon in eine Zeitung, wenn er jemanden sucht, der ein individuelles Gedicht für Onkel Hubert schreibt?

Mit Hilfe von Freunden, wagte ich also, eine eigene Homepage zu entwickeln und finde das Ergebnis gar nicht so übel.

 
 
© Thiele - Tine 2005